Ideologie und Karma

Ich erlebe es immer wieder, wie sich individuelle Problemlagen, versteckte Traumata und latenter Wahnsinn in die Weltanschauung und in die politische Meinung mischen (gleich ob links oder rechts). Von daher ist es ein Fehler, politische Meinung als separiert vom Menschen zu betrachten. Wo schon im Keim durch erfahrene Gewalt und Gefühllosigkeit Gewalt und Gefühllosigkeit reproduziert wird, kann am Ende auch nur Gewalt und Gefühllosigkeit herauskommen. Karma als Zusammenhang von Ursache und Wirkung ist hierbei als äußerst real zu betrachten, und somit ist auch die Situation, in der wir uns auch auf größerer Ebene befinden, karmisch bedingt. Erst wo dieses Karma nicht mehr unser Denken und Handeln bestimmt, kann Diskurs und Aktion stattfinden, andernfalls ist es Streit und Reaktion. Festgefahrenheit der Diskussion ist stets das Anzeichen, das karmische Konstellationen eine Wandlung verhindern, denn Festgefahrenheit lässt sich immer auf Kommunikation zurückführen und Kommunikation immer auf die Psychen der Teilnehmer (wenngleich das natürlich nicht der einzige Faktor ist).
Das Entscheidende wird, bei aller Notwendigkeit und Dringlichkeit der Handlung, immer der Geist der Menschen sein. Klar kann man zweifeln, ob der Bewusstseinswandel der seit Jahrzehnten von allen Aktivisten heraufbeschworen wird, irgendeine Wirkung zeitigt, dennoch ist es eine notwendige (nicht hinreichende) Bedingung, dass der Geist des Menschen so klar ist, dass er die Situation angemessen beurteilen kann, um zu einer angemessenen und auch wirkungsvollen Handlung zu kommen. Da genau diese wesentliche Prämisse aber allezeit von den Medien, den PR-Beratern, der Werbung, der staatlichen Propaganda und nicht zuletzt auch einfach von den Mitmenschen im eigenen Umfeld und von einem selber sabotiert wird, gleich ob und wie bewusst oder unbewusst, ist es wesentliche Aufgabe eines jeden Widerstands, zunächst intellektuell und geistbezogen zu sein. Hier wird ein harter Kampf geführt, insbesondere auch mit sich selbst. Ich bin der Überzeugung, dass dieser Kampf oder milder ausgedrückt, die Auseinandersetzung mit sich selbst und den Verfälschungen der Realität von innen und außen, Bedingung für eine glückliche und gerechte Gesellschaft ist. Leider missachten wir diese Prämisse in der Regel. Es geht in dieser Auseinandersetzung nicht um eine bloße Meinung von der Wirklichkeit, sondern um ein Wissen. Wir haben dieses Wissen nicht mehr, und befinden uns im Sog und Sturm der Meinungen, selbst was wir über uns selbst zu wissen glauben, entpuppt sich am Ende als das, als was wir uns sehen wollen, als das Ich, das bloß dazu da ist, um sich gegen die Außenwelt und Außenmenschen zu behaupten und nicht um in ihr aufzugehen.

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