Schrift und Existenz

Es gibt diese Einbildung, dass das Denken an seine Grenzen geräte, dass man dumm sei und außerstande, Wesentliches zu begreifen. In Wahrheit heißt Existieren stets in Räume und durch Zeiten zu fließen, und diese Existenz selbst ist ein Erkennen. Der krampfhafte, kampfhafte Erkenntniswille erscheint mir als Relikt der zivilisatorischen und meiner persönlichen Vergangenheit. Muss denn alles stimmen, was ich schreibe? Der Ernst begleitet all mein Schreiben, obwohl ich humoriger als je zuvor bin. Darin liegt freilich ein Widerspruch, der bedingt ist durch den Glauben, ich dürfe nur dann schreiben, wenn ich auch etwas loszuwerden habe. Aber wie oft habe ich mich schon hingesetzt und einfach geschrieben, ohne irgendetwas zu intendieren und es folgten die wunderlichsten Erkenntnisse? Meine Philosophie, so wie sie geschrieben steht zumindest, ist ein Mix aus Prosa und Interesse an der Sache, meistens meiner eigenen Existenz. Das Ereignis des Schreibens bildet sich selbst. Es ist ein Kontakt zwischen Bewusstsein und Materialität, einer von unendlichen Schnittpunkten, der den Vorteil besitzt, verlustfrei teilbar zu sein. Habe ich je so getan, als wüsste ich mehr, als andere? Fragte mich jemand, was ich sonst noch so geschrieben hätte, ich könnte es nicht erklären. Abseits des Textes gehe ich wieder meiner selbst verloren. Der Text ist das Medium in dem ich wahrhaft kommunikativ sein kann, weil ich kein Gegenüber habe. Im Gegenüber entstehen Spiegelungen und Spiele, die nach gewissen Regeln funktionieren. Ich kann mich nicht dazu entscheiden, sie willkürlich zu brechen, um meine Agenda durchzudrücken, wenn ich denn eine hätte. So bleibt der Text die einzige Stelle in der Welt, in der ich in den leeren Raum rufen kann, im gleichgültigen Bewusstsein, dass eines Tages jemand diesen Schall empfangen mag.

Ein Kommentar

  1. Du bist mir nicht – Gleich – Gültig. Wer mit Worten spielt und von der Existenz eines gleichgültigen Bewusstsein ausgehen kann, welches in „den“ leeren Raum ruft, wird sich ewiglich an seinem „eigenen“ Ruf erfreuen – Ich?
    Wer hört nicht gerne sein eigenes Echo – vom Berge aus – gerufen ins Tal der Liebe? Mit einem Lächeln im Gesicht, die eigene Stimme zurück schallend auf die Frage: „Wie heisst der Bürgermeister von Wesel? antworten möchte: „Esel, Esel“!

    „Eines Tages – Jemand – diesen Schall empfangen – von mögen oder nicht – keine Rede! ….
    Doch wer ist es der in den dunklen Wald ruft? – Ich Nicht!

    Liebe, Liebe, Liebe!

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