Steigerungen

Das Leben ist eine Steigerung, ein aber- und abermaliges Durchbrechen durch die Membran der nächsthöheren Ebene. Der Kopf bricht durch. Ich blicke um mich, es ist alles anders, aber ich kann nicht sagen, worin die Änderung besteht. Nein, ich kann nicht mal sagen, wie ich überhaupt auf die nächsthöhere Ebene gekommen bin. Es war gewiss nicht meine Intention. Wer hievt mich höher und höher? Welche Macht trägt mich, und was hat sie mit mir vor? Wie kann es sein, dass ich durch das Leben fließe, letztlich ebenso willenlos wie das Wasser? — und dennoch jenes untrügliche, aber nicht näher bestimmbare Gefühl, dass alles seine Richtigkeit hat. Ab und an habe ich diese Déja-Vus, diese Situationen, von denen man glaubt, man habe sie vor Jahren schon geträumt und nun ist dieser Traum Realität geworden. Ich denke, dass ich genau da bin, wo ich sein soll, und doch kenne ich den Zweck dieses Sollens nicht. Vielleicht macht man sich in diesen Augenblicken auch nur was vor. Ich zucke die Achseln, und die Zeit treibt mich wieder weiter. Alles wiederholt sich. Es ist dasselbe Licht, dieselbe Luft, dasselbe Wasser und dieselbe Erde. Dieselben Vorgänge und derselbe Gott. Ich lamentiere nicht mehr die Vergänglichkeit. Erwachsensein heißt, seine Existenz normal zu finden. Diese Normalität ist eine Schwäche, doch zugleich gäre ich in der Hitze des Seins, zugleich ist diese Normalität ein Anzeichen von Reife und Genießbarkeit. Intensiver existieren birgt eine ungeahnte Langeweile in sich, die aber nahrhaft ist. Dass ich keine Antwort finde, macht mich beharrlich. Ich insistiere auf etwas Unbekanntes, aber ich bestehe darauf.

Ein Kommentar

  1. Hoffnung
    In verzweifelter Hoffnung gehe ich umher und suche sie in allen Winkeln meines Zimmers; ich finde sie nicht.
    Mein haus ist klein, und was einmal aus ihm fortgezogen ist, kann nicht wieder zurückgewonnen werden.
    Unendlich aber ist deine Wohnung, o Herr, und auf der Suche nach ihr bin ich vor deine Tür gelangt. Ich stehe unter dem goldenen Baldachin deines Abendhimmels und hebe die flehenden Augen zu deinem Antlitz empor, am Rande der Ewigkeit stehe ich, aus der nichts verlorengehen kann, keine Hoffnung, keine Glückseligkeit, nicht das Bild eines durch Tränen erblickten Gesichts.
    O tauche mein leeres Dasein in jenen Ozean, versenke es in seine tiefste Fülle. Laß mich ein einziges Mal diesen verlorenen süßen Hauch im All des Universums verspüren.

    Rabindranath Tagore

    [Quelle: Interviews mit Sterbenden von Dr. Elizabeth Kübler-Ross], Sterbebild von Werner H.
    Mein Bruder Werner H. nahm sich am 20 Juni 1983 das Leben. Er sprang von der damaligen Autobahnbrücke in Limburg auf festen Grund.
    Mit seinem Lebensende schenkte „ER“ mir das Ende vom Beginn des [meines] „Lebenstraumes Mensch“: Getrennt, Allein, Isoliert, Alles zählt, Mein und Dein, Nichts, … nichts ist wichtig im Angesicht der Gegenwart des Todes, Kein Kommen, kein Gehen, Geburt, Altern, Verzweiflung, Schmerz und Tod, von Lieben getrennt mit Unliebem vereint, Erleuchtung!
    Alles ist; – bedingungslose Liebe! –
    Im Namen des Vaters: „Ich bin, der da ist und sein wird!“ Und des Sohnes: Die Liebe! Und des Heiligen Geistes: „Alles ist der eine Geist, neben dem nichts anderes existiert!“ Amen!
    „Ich bin gekommen um zu richten, die Lebenden und die Toten,….mein Reich ist nicht von dieser Welt!“
    Wer Augen hat zu hören, der höre! Wer Ohren hat zu sehen, der sieht!
    Geboren aus der Jungfrau Maria, SelbstBewusstes SelbstGewahrsein im Menschen: „Mir geschehe nach deinem Willen, dein Wille geschehe, sein Wille geschieht, es ist vollbracht!“

    Der Glaube ist deine Mitte. Die Mitte kennt keinen Punkt. Sie ist bedingungslose Liebe, kein Anker, Hoffnung ohne Grund.
    M.H.

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