Die Behauptung von Wahrheit

Je bewusster wir werden, desto mehr müssen wir erkennen, wie unsere Rationalität sich den Bildern und Wiederholungen der Mitmenschen widerstandslos ergibt, wie sie zusammenbricht, und einem geübten Redner stets zuerst die Lüge, die er hervorbringt, glaubt, ehe sie allmählich erkennt, wie sie dem Anschein auf den Leim gegangen ist. Daher müssen wir lernen, den politischen Diskurs als Übungsfeld zu betrachten, um der Wahrheit die Standhaftigkeit zu geben, die ihr zustehen sollte. Dergestalt ist das Üben der Wahrheit immer eine Sache des Individuums gegen den herrschenden Diskurs der Vielen, und man kann sich glücklich schätzen, auch nur eine handvoll Menschen zu finden, mit denen man die Widerstandskraft gegen die Lüge gemeinsam erarbeiten kann. Wir bewundern an wahrheitsliebenden Menschen nicht, dass sie die Wahrheit aussprechen, denn wir legen jeder Rede erst einmal naiv die Wahrheit bei, sondern wir bewundern an ihnen, dass sie sich mit der Wahrheit behaupten. Dass sie gegen alle Vereinnahmungsversuche durch die Falschheiten des Massenhaften augenscheinlich immun sind. Ein Mensch, der die Wahrheit spricht, sei sie auch bedingt, perspektivisch, wird immer Anhänger finden, die den Glauben an die Wahrheit nicht aufgegeben haben.
Niemand kann die Lüge wollen; nur verhältnismäßig wenige haben einen Weg aus den meisten Lügen herausgefunden, und nur ganz wenige haben sich mit ganzem Herzen der ganzen Wahrheit verschrieben, und dass sind die großen Philosophen und die Religionsstifter und Wissenschaftler aller Zeiten und sie sollten unsere Leitbilder (aber keine Götzen) sein. Aus dem Wust des Wahrhaftigen lernen, heißt daher, sich nach und nach der Wahrheit anzunähern. Die Wahrheit muss geübt werden – um die Hegemonie des Kulturellen stets auf das Neue zu brechen, damit diese Hegemonie ihrer eigenen Tendenz zur Barbarei entgeht und mitmenschlicher, rationaler, logischer werden kann. Das Illegitime muss unlogisch werden, damit Wahrheit fortschrittlich sein kann.

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7 Kommentare

  1. „Das Illegitime muss unlogisch werden, damit Wahrheit fortschrittlich sein kann.“
    „IchNicht“
    Ich kann, und darf, deinen Schmerz fühlen.
    Deine Antwort vom 26/11/2017 um 17:44:
    „…….Es gibt als logisch mögliche Antwort nur ein „ja“ und ein „ja, aber“.

    [„ja“] Es gibt den „TOD“, das Sterben, [und ein „ja, aber“] Es gibt IHN und es gibt IHN, aber nicht.
    Es gibt dich und es gibt dich, [aber] auch nicht.
    Es gibt dich, – [nur] eine Antwort, Sie, die beide Antworten nicht gegeneinander ausschliessen lässt, noch kombiniert – im Sinn als ein Sowohl als auch.
    Und hier der Tod, der das Leben ist, und gibt, – die Liebe:
    „Es gibt dich nicht, als „Der“, der „Einzige,“ – der, der aus Dem, was „Er“ ist, gekommen ist.“

    Ich sage aus diesem, einfältigen Grund, in guter Wahrheit:
    „Die Stille eint was zerstreut ist, sie ist die Heilige Nacht, das Herz welches in jedem von uns leuchtet.“

    Empfangen vom Heiligen Geist,
    Geboren durch die göttliche Liebe, der Heiligen Jungfrau Maria, zu allen Wesen ewiglich sprechend; deren Leiden unermesslich sind:
    Abgrundtiefe Sehnsucht der Liebe;
    Dem Leiden durch völlige Selbstentäusserung ein endgültiges Ende zu bereiten.
    Mit dem Schlüssel, einer nach Innen gewendeten Liebe, die nichts für sich selbst erachtet,
    das Buch mit den Sieben Siegel geöffnet.

    Ein vernünftiges Leben, der wahren, geburt und todlosen Liebe!

    Von Anfang und Ende – ohne ein Kapitel
    Es liest sich Selbst,
    Für das menschliche Auge,
    Bis alle Zeit vergeht.

    „Jetzt;“
    “Alles”

    hat

    Ihren
    Sinn!

  2. Gibt es überhaupt Wahrheit? Oder ist sie auch nur eine von vielen Illusionen, die wir in unserem Leben haben?

    • Es gibt für mich zwei Möglichkeiten, diese Antwort zu bejahen. Die erste ist, dass selbst wenn die Wahrheit nur für uns eine Wahrheit ist, sie dennoch innerhalb unseres Bewusstseinskreises Wahrheit ist. Die zweite Antwort bestünde im Verweis auf die Einsteinsche Relativitätstheorie, die zunächst einmal ein rein geistig-mathematisches Konstrukt war, deren Voraussagen erst viel später empirisch belegt werden konnten. Insofern scheint es ein gewisses Verhältnis von Wahrheit und Wissen zu geben, das nicht rein illusionär ist. Dafür könnte man auch noch andere Beispiele anführen. Wie dieses Verhältnis genau beschaffen ist, ist wiederum eine ganz andere und wesentlich komplexere Frage. Übrigens wüsste ich nicht, wie man Deine Frage sinnvoll und kohärent verneinen könnte. Zu sagen, es gibt keine Wahrheit ist ein performativer Widerspruch. Damit hat sich die Sache schon gegessen. Es gibt als logisch mögliche Antwort nur ein „ja“ und ein „ja, aber“.

  3. Die Wahrheit kann man zwar beschwören, aber gerade dann zeigt sie sich nur äußerst selten. Und anders als mein vorgehender Kommentator @hasemu10 bin ich der Meinung, dass Bedingunslosigkeit bei weitem kein Kriterium sein dürfe. Gleichwohl schätze ich an dieser Hernagehensweise den Anspruch an Wahrhaftigkeit. Warheit kann aber auch sein, wenn man wahrhaftig ständig an ihr Gegenteil appeliert und wahrhaftig glaubt, dass die eigene Position die wahre sei. Tatsächlich drückt sich eine Liebe zur Wahrheit meines Erachtens maßgeblich, in der ständigen Abwägung aller der Positionen aus, die aus wahrhafter Überzeugung getätigt werden. Und wer dabei nicht überfordert wird, den beneide ich zutiefst.

    • Alles ist Wahrheit!
      Aber nur für den Menschen, der keine Objekte seiner Wahrnehmung, als etwas abgespaltenes, als etwas von ihm unabhängig existierend, erlebt.
      „Und wer dabei nicht überfordert wird,…. [ist]“, dem wünsche Ich den tiefen Neid einfach als eine Form der Lüge zu erkennen, damit [seine] Ich-Spaltung ein Ende im Bedingungslosen findet. Die ich nicht scheue als „Liebe,“ das Leben zu bezeichnen. Es gibt in Wahrheit keine Zwei in [einem] „Ich“.
      Zen-Meister [?] sagt[e]: „Was hier ist, – ist auch anderswo. Was hier nicht ist, – ist nirgendwo!“

      Ich habe nicht die Wahrheit. Ich bin – [ist] Wahrheit.
      Wa soll das Gerede von Überforderung, Neid, Höhe und Tiefe.
      Stehe ich unten ist Tief Hoch.
      Bin ich ganz Oben scheint alles ganz klein…da Unten!
      Ich bin über [meine] Wirklichkeit nicht verwirrt. Und so ist Wahrheit auch nicht [et]was „scheinbar“ ausserhalb oder innerhalb zu sein scheint.
      Wer sich SelbstVerliebt ständig Selbst belehrt findet nur Oberflächliches als Wahrheit.
      Wo bleibt da die Offenheit für das Unbekannte, das Zukünftige?;.. das sich doch nur im „Bedingungslosen,“ dem „Jetzt,“ offenbart!
      „Sei der du bist“ :ist ein gelebter Ausspruch von Ramana Maharshi.

      • Ich würde unterscheiden zwischen relativer und absoluter Wahrheit. Vom absoluten Standpunkt aus mag die Lüge eine Wahrheit sein, aber setzt man die Lüge in den relativen Bezug zu dem, worüber sie lügt, wäre es wohl nicht angebracht, sie Wahrheit zu nennen. Das wäre Zynismus.

  4. Die Wahrheit stellt sich schützend unter allem. Während Lüge sich überhebt um nicht unter die Wahrheit zu fallen, was ihr nicht möglich ist. Deshalb Lüge ist [auch] Wahrheit, indem sie vorgibt zu sein was sie nicht ist, die Wahrheit.
    Was ist Wahrheit?
    Bedingungslose Liebe.
    Wer bedingungslos liebt, der braucht sich um die Wahrheit der Lüge nicht zu sorgen; denn die Liebe bringt alles an den Tag und erntet selbst da wo sie nichts gepflanzt hat.

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