Meine Texte sind klüger als ich

Gerne würde ich Texte schreiben, in denen ich meine Außergewöhnlichkeit zur Schau stelle und die einzigartige Art und Weise meines Denkens und Seins, quasi ein Künstler-Philosoph mit allen Manierismen und Exzentritäten, die man sich so vorstellen kann, ein Stück von dieser Bukowski-Coolheit und ein Stück von der Unerbittlichkeit Ciorans, am liebsten redegewandt und allezeit nur intellektuell mich gebend, über gebildete Themen sprechen und diskutieren. All das bin ich nicht. Ich bin ein sehr gewöhnlicher Mensch.

Die Themen, über die ich spreche, sind äußerst banal, und kommt es durch Fügung, dass ein Thema angesprochen wird, in dem ich mich vom Fach her auskennen soll, versagt mir die Wortgewandtheit und ich habe das Gefühl, nichts Wesentliches ausdrücken zu können, weil mir der Sinn für die Unterscheidung von Wesentlich und Unwesentlich irgendwie abhanden kommt. Weder im nietzscheanischen Nihilismus und der Verleugnung alles Höheren noch in einer platonischen Schau der höheren Dinge finde ich mich wieder. Ich schwebe: noch nah an der Erde aber auch schon abgehoben, wie ein Geist der von Augenblick zu Augenblick schweift und vergessen hat, was Zeit eigentlich bedeutet. Ich kann nicht konkret werden, aber auch nicht abstrakt, ich kann über so ziemlich alles reden, aber ohne Überzeugung und meine Mitmenschen können meist nicht so mitreden, wie ich es bräuchte, um vielleicht zu einem echten Austausch beitragen zu können.

Die meiste Zeit geht es mir aber nicht schlecht damit. Ich will mich keineswegs beklagen und denke vielmehr, dass gerade diejenigen, die sich für außergewöhnlich halten, die Gewöhnlichen sind. Ich vollziehe eine Art innere Isolation, in Sphären meiner eigenen Gedankenwelt schwimmend, in die niemand sonst hineinsieht, oder gar hineinkommt. Ab und an bin ich politisch, und informiere mich über alle möglichen Dinge, mit dem Gefühl, dass das diese Konkretheit ist, an der es mir mangelt. Abgesehen von einer gewissen Überzeugung, ein sachtes Gefühl dafür, was richtig und falsch ist, bleibt dennoch das unüberwindbare Unwissen zurück, und anders als andere politisch Überzeugte, maße ich mir nicht an, die Welt zu kennen oder beschreiben zu können. Und alle Moral, die ich mir ab und an auf die Fahnen schreibe, verblasst allzu schnell in den Untiefen des Alltags und in den Tiefen mancher Texte, die ich lese, sodass nichts diese innere Isolation wirklich aufheben kann.

4 Kommentare

  1. I see you!

    ….One Light – One Heart – One Life!
    Ungeboren!

  2. Schreiben ist eine individuelle Angelegenheit, und ich finde ein gutes und wichtiges Ventil.
    Also mach dir kein Kopf warum und was andere schreiben.
    Das was du schreibst ist für dich wichtig. Und nur das zählt !
    Ich lese es gerne!!! Und es gibt mir auch was!!❣❣❣

  3. Für jede Krankheit gibt es heute tatsächlich, wirklich ohne Zweifel, sehr gute Fachärzte!
    Aber ich kenne keinen besseren Arzt, als die bedingungslose Liebe. Die bedingungslose Liebe zu Gott, die, die operiert auch noch das Letzte „Nicht-Ich“ weg.
    Bedanke du, das Nicht-Ich, also dich nicht bei mir, sondern beim Arzt, wenn du geheilt bist. Rede jetzt nicht mehr – damit wir bei alle bei der Wahrheit bleiben. Und führe uns auch nicht noch mehr in die Irre!
    „……..Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen!“

    Wenn du aufwachst, beginne mit dem Vaterunser und höre nicht auf es zu beten….. bei allem was „DU“ tust.

    Mache bitte kein Geplapper aus dem Gebet was Jesus Christus uns aufgetragen hat zu beten, …bis er wieder kommt.
    Und bedenke, ein Säugling, der muss plappern, der weis noch nichts davon, dass er eigentlich „Da“ und ungeboren ist.
    Was geboren ist muss sterben – auch das Geplapper….wenn man ein Arzt für „Viele“ sein will und muss.
    Auch Ungeborene sterben im Mutterleib.
    Weist du, der das Nicht-Ich ist, was es heißt ein geliebtes Kind zu verlieren? – … ans Kreuz genagelt und unter IHM stand Sie weinend mit Johannes und Maria Magdalena. Und siehe ER sprach: „Frau, siehe, dein Sohn!“

    Welch ein Schmerz, die Schand der Vergewaltigung, das „Ungeboren“, nicht abzutreiben.

    Nicht-ich, der Apostel, auf den das Los der 11, für Judas, dem Verräter von Jesus, fiel.

  4. So ein Mix aus imposter-complex und maximal gefühltem Wissen… I hear you.

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