Liberalismus der Willkür und Kollektivismus

Die Banalität meiner Gedanken wird daran ersichtlich, dass sie keine politische Sprengkraft besitzen. Wie so viele bin ich ein Vereinzelter, einer, der durch die Zeiten irrt, auf der Suche nach echter Kommunikation. Ich kann nicht sagen, dass ich an etwas glaube, dass ich für etwas sterben würde, und ich kann überhaupt nicht einschätzen, ob das wirklich was schlechtes ist, dieser Agnostizismus in Bezug auf das reale Leben. Vielleicht besitzen meine Gedanken doch politische Sprengkraft, wobei Sprengkraft nicht das richtige Wort wäre, weil wenn es so wäre, wäre das Politische in meinen Gedanken subtil, nicht wirklich fortreißend, aber womöglich einen sanften Zug ausübend – nämlich selbst zu denken. Ich stütze mich in meinen Texten auf nichts, als auf das, was mir gerade in den Sinn kommt. Ich bin kein Wissenschaftler, keine Belege, nichts. Ich rede für mich selbst.

Dieses Antigemeinschaftliche, ein Charakterzug, den ja fast alle Philosophen hatten, scheint für mich gerade das Wertvolle an der westlichen Gesellschaft zu sein, und gleichzeitig das, was sie von innen heraus zerstört. Egal in welche Bevölkerungsschichten man sieht, der Egoismus ist Common-Sense, und wenn die Linke in Deutschland keinen Erfolg hat, bedeutet das eigentlich nur, dass der Kollektivismus keinen Erfolg hat. Wäre einem der nächste nicht egal, so wäre das was sich heute Politik schimpft, eine reine Unerträglichkeit. Es wäre von einem rationalen Gemeinschaftsdenken her zunächst einmal unumgänglich, links zu wählen. Der Ausgleich zwischen Individualismus und Kollektivismus findet nicht mehr statt und der Liberalismus der Willkür hat lange in jedes Bewusstsein Einzug gehalten. Die größte Verblendung ist am Ende diejenige, Ursache und Wirkung nur für ein abstraktes Konzept zu halten, und keine Verbindung von diesem Konzept zu sich selber herstellen zu können, und damit zu glauben, man sei getrennt von den anderen. Aus diesem Getrennt-sein folgt die Willkür des Individuums, und damit alles Niedrige, Beschränkte, Feindselige, Tierische, Abhängige und Unpolitische. Der Sinn für Gemeinschaft ist wohl so zentral für die Genese von Bewusstsein und Rationalität, dass der Sinn für das Individuelle – der notwendig ist – weitestgehend mit der Degeneration und Absage an das Intellektuelle gleichkommt. Die Deutschen haben solch eine Angst vor Kollektivität, unterschätzen in ihrer unterdrückten Angst die Macht der Kollektive, dass ein sinnvoller politischer Umbruch nicht stattfinden kann, und demzufolge kurzsichtig und irrational von rechts kommen muss.

2 Kommentare

  1. Die Linke, mit ihrem begrifflichen Vokabular, mit ihren Emanzipationsbemühungen und Neutralisierungsgesten andere Einflüsse, deuten für mich auf die inzwischen museal gewordene Qualität dieser Denkrichtung hin. Es ist ganz richtig, finde ich, den Unterschied zwischen Kollektivismus und linker Politik zu machen. Auch muss man sich fragen, ob man das Kollektiv in seiner Zusammensetzung nicht überfordert mit der Aufgabe sich selbst zu verändern. Es scheint mir: Es lohnt, die Gesellschaft als Naturgewalt zu begreifen. Es lohnt auch, die individuellen Möglichkeiten gegenüber dieser Naturgewalt zu affirmieren. Kollektivität im Kleinen – die einzig wirkliche Kollektivität – wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Es mag die Antwort im Dezentralen liegen. Und damit (dann doch) in der Technik.

    • Den Gedanken mit der Gesellschaft als Naturgewalt bei gleichzeitiger Bejahung der individuellen Möglichkeiten halte ich für sehr aufschlussreich. Die Linke hat m.E. das wesentliche Problem, dass sie ihr Klientel nur als Opfer aber nicht als Macher und Träger des notwendigen Wandels anspricht. Das Museale der Linke besteht in ihren Begrifflichkeiten und Visionen, die noch aus der marxistisch geprägten Vergangenheit stammen. Allerdings liefe der Versuch der Modernisierung Gefahr, zum bloßen Linksliberalismus zu verkommen. Daher bleibt die Aufgabe der Linken fundamental zu kritisieren und ihre Attraktivität aber durch das Erzeugen des Gefühls von Wirkmächtigkeit erlangen. Es muss erst der Glaube bestehen, Änderung sei möglich, damit Änderung, die im Grunde genommen immer möglich ist, dann auch möglich wird. Dezentralität ist auf jeden Fall das wichtigste Hilfsmittel, um den öffentlichen Diskurs im Mainstream, in dem die Linke immer schlecht wegkommt, zu unterwandern.

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